PRESSESPIEGEL

 

  JUGENDLICHER ELAN STATT GEPFLEGTE ROUTINE
Das Vogler-Quartett mit Stücken von Mozart, Schumann und Beethoven beim „Jungen Podium” in Altrip

Die Reihe „Junges Podium” in Altrip hat sich gemausert. Waren es zu Beginn Nachwuchsmusiker der Region, die hier auftraten, so gibt sich mittlerweile Prominenz die Klinke in die Hand. Nachdem vor zwei Wochen der Klarinettist Martin Spangenberg spielte, gastierte nun mit dem Vogler-Quartett eines der renommiertesten deutschen Streichquartette.
vor nunmehr 21 Jahren, als sie sich während ihres Studiums an der Musikhochschule „Hanns Eisler” in Ostberlin kennen lernten, schlossen sich die
beiden Geiger Tim Vogler und Frank Reinecke, der Bratschist Stefan Fehlandt und der Cellist Stephan Forck zu einem Streichquartett zusammen. Diese langjährige Zusammenarbeit hat nur positive Resultate gezeitigt: perfekt sind die vier aufeinander eingespielt, zeigen blindes Verständnis, werfen sich wie Jongleure gegenseitig die musikalischen Bälle zu.
Dabei ist nichts ist zu spüren von einer bloßen gepflegten Routine und erlahmendem Engagement. Im Gegenteil, das Vogler-Quartett musiziert mit einem jugendlich anmutenden Elan und einer Spielfreude, als hätte man sich gerade erst zusammengetan und würde sich über seinen ersten Auftritt
freuen. Dabei zeigt das Quartett allerhöchstes Niveau und feinste kammermusikalische Spielkultur. Dies unterstrich auch der Auftritt in der katholischen Kirche in Altrip.
Die letzten drei Streichquartette von Mozart werden als „Preußische Quartette” bezeichnet, weil sie im Auftrag den preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. geschrieben wurden. Der König war ein passionierter Cellist, und so hat Mozart in diesen Quartetten dem Cello eine bevorzugte Stellung eingeräumt. Im D-Dur-Quartett KV 575 konnte sich dann auch Stephan Forck mit klar und ausdrucksvoll gespielten Soli profilieren, ohne dass sich deshalb gegenüber seinen
Partnern in den Vordergrund spielen zu müssen. Diese Homogenität im Klang und in der Ausgewogenheit ist ein weiteres Kennzeichen des Vogler-Quartetts. Der erste Geiger Tim Vogler ist zwar der Namensgeber des Ensembles, aber er dominiert seine Kollegen deshalb nicht.
Das Vogler Quartett präsentierte in Altrip einen sehr frischen Mozart, immer sanglich, dabei sehr akzentuiert, mit vielen Nuancen, die aufhorchen ließen. Ein voller runder Klang prägte auch die Wiedergabe von Robert Schumanns Streichquartett F-Dur, op. 41, Nr. 2. Glutvoll wurde hier die Schumannsche Romantik beschworen und in den schnellen Sätzen auch viel
Schwung an den Tag gelegt. In Beethovens Streichquartett C-Dur, op. 59, Nr. 3, dem letzten der sogenannten „Rasumovsky"-Quartette, zeigte das Vogler-Quartett wie klangsinnlich und auch wie duftig Beethovens reife Kammermusik klingen kann, der doch gerne eine gewisse hochartifizielle Sprödigkeit nachgesagt wird. Auch hier verbanden sich Plastizittät in der Darstellung und Lebendigkeit im Spiel auf das Glücklichste.
Die Musikfreunde in der Region dürfen sich freuen, schon im nächsten Jahr gibt es ein Wiedersehen mit dem Vogler-Quartett: Im März gastiert das Ensemble in der Kammermusikreihe der BASF in Ludwigshafen.

DIE RHEINPFALZ, 13. Juni 2006

 
 

Ein Quartett und drei Giganten
Das Vogler-Quartett beschloss die Kindermusiktage fulminant


Was für ein Ausklang der 2. Nordhessischen Kindermusiktage und der Saison des Kammermusikvereins Kassel! Dabei konnte man vor Beginn des Konzerts im E.on-Gebäude fast befürchten, dass zu viel geboten wird. Gleich drei Giganten standen auf dem Programm: Schubert, Schumann, Beethoven. Das Vogler-Quartett gab dem ganzen Abend eine Spannung wie einem gut strukturierten Musikstück.
Angezogenes Tempo und packendes, ja schroffes Spiel waren die Haupteindrücke der ersten Hälfte. Sie brachte Schuberts Quartettsatz c-Moll und das lange Zeit sträflich vernachlässigte Streichquartett F-Dur op. 41/2 von Robert Schumann. Zugute kam die flotte Gangart nicht zuletzt den „verrückten” Rhythmen Schumanns mit ihren gegen den Takt gesetzten Akzenten.
Und dass die Musiker im Finalsatz eine Wiederholung eigenmächtig mit Fermaten ausstatteten und so den gehetzten Verlauf für kurze Zeit zum Stocken brachten, traf den bizarren Humor des Meisters ganz ausgezeichnet. Nach der Pause folgte Beethovens op. 59/1, das erste der Rasumowsky-
Quartette. Tim Vogler, Frank Reinecke, Stefan Fehlandt und Stephan Forck intensivierten nun die klangliche Differenzierung, was angemessen war bei diesem groß dimensionierten Werk von ungeheurer gedanklicher und emotionaler Fülle. Und sie nahmen sich viel Zeit für den dritten Satz. In seiner Langsamkeit ausgekostet und mit trauerumflortem Klang gespielt, war das „Adagio molto e mesto” der ergreifende Höhepunkt des Abends.
Für das überlegt wie überlegen musizierende Ensemble gab es von den 170 Zuhörern riesigen Beifall – auch eine Bestätigung für die wichtige Arbeit des Kammermusikvereins. Mit Mendelssohns früher g-Moll-Fuge blickte die Zugabe auf die Kindermusiktage zurück. Sie sollen fortgesetzt werden.

GEORG PEPL, Hessisch-Niedersächsische Allegemeine, 03.06.2006

 

 
 

Vogler String Quartet

Every once in a while, a performance puts all others in perspective and reminds one that in great music there is always more to be revealed. At Georgetown's Dumbarton Church on Saturday, the Vogler String Quartet's readings of the Beethoven Quartets Op. 59, No. 3 and Op. 130 and the astonishing "Grosse Fugue," Op. 133, offered such a performance.

The Vogler highlighted the powers of reflective thought in music of such complexity that just making sense of its structure can be a struggle. Its sotto voce passages were both moments of respite and staging grounds for eruptions to come. There were ritards that took on such personal qualities that they might have come straight from the lieder repertoire.

The brief rest scored into every other measure of the first violin line of the "AIIa danza tedesca" fourth movement of the Op. 130 quartet was played exactly as written, but was shaped with such delicacy that there was none of the abruptness that so often characterizes it.

Some of the quartet's tempos were daring. The fugal Finale of Op. 59 was taken remarkably fast, for instance, and the final Allegro of Op. 130 also moved very quickly -- but the exquisite balance, clarity and dynamic shading that the Vogler managed made both of those breathtaking rather than breathless. lt was this same combination of balance, clarity and dynamic shading, along with huge dollops of energy and ensemble, that produced a "Grosse Fugue" of extraordinary transparency and coherence.

Joan Reinthaler, WASHINGTON POST 27. März 2006

 

 
  Strenge und Freiheit

Wohl kaum ein Konzertveranstalter würde es je wagen, gleich drei Streichquartette aus den Jahren 1910 bis 2004 in ein einziges Programm zu packen. Doch die Bayerische Akademie der Schönen Künste ist kein kommerzielles Unternehmen und kann sich glücklicherweise einen derart verschwenderischen Luxus leisten. Außerdem hat sie mit dem Vogler Quartett ein exzellentes Ensemble eingeladen, das nicht nur technisch fulminant spielt, sondern auch Bergs op. 3, Frank Michael Beyers ,;Was Orpheus sah", vor allem aber das alles überstrahlende Streichquartett von Witold Lutoslawski aus dem Jahr 1964 bezwingend musikalisch darbot. Ebenso der Zwölftönigkeit wie der Aleatorik verpflichtet, dem kompositorischen Zufallsprinzip also, spricht aus diesem Werk genau die Ambivalenz von Strenge als innerer Notwendigkeit und Freiheit der Unmittelbarkeit, mit der Frank Michael Beyer im Gespräch mit Siegfried Mauser das Komponieren von Musik generell charakterisierte.
Vier Streicher spielen bei Lutoslawski gleichsam „für sich” hochkomplexe Strukturen, die nur an bestimmten Stellen koordiniert sind. Und doch ergibt sich eine „hochexpressive Mehrstimmigkeit” (Mauser), die in jedem Takt präzise komponiert scheint und eine phänomenale Durchsichtigkeit hörbar werden lässt. Frank Michael Beyers „Klangbilder” in drei Sätzen (Flügelschlag, Schattenwurf, Gestalten) wirkten dagegen fast wie ein klassisches Triptychon, das sich von der Strenge der Sonatensatzform über ein knappes, irrlichterndes Scherzo hin zu immer mehr verknappten Variationen entfaltet. über fast ein Jahrhundert hinweg schlug der 78-jährige Komponist da einen Bogen zu Alban Bergs konzisem, zweisätzigen Streichquartett op. 3, das fast noch dezidierter als die ersten beiden Quartette seines Lehrers Arnold Schönberg das Tor zur Klangwelt des 20. Jahrhunderts weit aufstößt.
Das Vogler Quartett betonte denn auch vor allem das Neuartige und schärfte den bei Berg bis zu seinen letzten Werken immer durchschimmernden tonalen Grund aufs Genaueste. Großer Beifall für ebenso anspruchsvolle wie spannende anderthalb Stunden.


KLAUS KALCHSCHMID,
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 23. Februar 2006

 

 
 

Auch Salieri darf im Mozart-Jahr auftrumpfen

Das Vogler Quartett offerierte im rappelvollen Kleinen Saal des Konzerthauses ein reich gegliedertes Programm. Es verwies am Schluß nachdrücklich auf den gewichtigsten Ausstieg aus Freuden und Leiden des Mozart-Jahrs: Es spielte zum Abschluß Beethovens e-Moll-Quartett op. 59 Nr.2.
Begonnen aber hatte das Konzert mit Anton Weberns Maßstäbe setzender Zwölftönerei: dem knapp zehnminütigen Streichquartett op. 28, Weberns letztem Kammermusikwerk, über dem er anderthalb Jahre gegrübelt hatte. Darüber sind nun beinahe auch schon wieder siebzig Jahre vergangen. Viel zielstrebig schockierende Kühnheit ist seitdem entstanden - und schon wieder verblüht. Weberns Werk aber hat sich seine Gedankenfrische erhalten, seine künstlerische Stabilität, die von den Voglers mit unerschütterlich festem Zugriff vorgetragen wurde. Das Werk versteht noch immer zu bannen: durch die Konsequenz seiner kompositorischen Verästelungen, seine Rigorosität, sein spirituelles Handwerk.
Danach wurde es leichtgewichtiger und vergnüglicher. Ein Frühwerk Mozarts, das C-Dur-Streichquartett KV 157, wies nach, daß der sechzehn- oder siebzehnjährige Wolfgang Amadeus noch durchaus nicht der musikalisch allmächtige Mozart war, sondern nur ein Junge mit sehr viel Ehrgeiz, Willenskraft und Talent, vom Temperament ganz zu schweigen.
Den Überraschungs-Trumpf seines Programms spielte das Vogler Quartett aber erst anschließend aus: vier Scherzi in Fugenform von dem zumeist totgeschwiegenen Antonio Salieri. Sie erwiesen sich von liebenswürdigster, gleichzeitig kunstreichster Lebendigkeit. Man erfuhr im Verlauf von nur elf Minuten, auf welchem Können der inzwischen erloschene oder niedergetrampelte Ruhm Salieris gründete: auf wohlgeöltem Charme, Unternehmungslust, kompositorischem Witz. Die raren Komponenten, auf denen auch die Kunst des Vogler Quartetts gründet. Es spielte Salieri wie eine köstliche Feuerwerksmusik. Sie klang, obwohl durchaus unterschiedlichen Charakters, auf anspruchsvolle Weise gutgelaunt. Eine echte Überraschung - das Mozart-Jahr kann, bei aller Verehrung des Meisters, durchaus einige ergänzende Abschweifungen vertragen.

Aus der Berliner Morgenpost vom 31. Januar 2006

 

 
  Kontrollierter Rausch der zarten Klangfarben
Herkulessaal: Das Vogler Quartett mit Klarinettist Jörg Widmann als Gast

Facettenreicher kann ein Kammermusikabend kaum sein. Nicht nur durch eine geistvolle, hochsensible Spielkultur besticht dieses Streichquartett-Ensemble, sondern auch durch den Sinn für besondere Programme. Entsprechend gefeiert wurde das Berliner Vogler Quartett - samt Gästen für die Verstärkung zum Quintett und Septett, darunter der Münchner Klarinettist (und Komponist) Jörg Widmann - jetzt im Herkulessaal.
Mit Joseph Haydn, dem oft unterschätzten, aber derzeit in vielen Konzertreihen' wiederentdeckten „Papa” der Wiener Klassik, setzten die Musiker gleich einen packenden Akzent. Sein „Kaiserquartett” spielten sie als sinnliches und intellektuelles Vergnügen: Mit wunderbar ausgekosteter Klangschönheit, aber auch mit so geschliffenen Pointen, dass Haydns ausgefuchster Umgang mit der Form um so deutlicher wurde. Das Quartett lieferte ein Lehrstück dafür ab, wie man tief in die Musik eindringt und dabei doch ganz drübersteht.
Auf stille Art aufregend das Klarinettenquintett A-Dur (op. 146) von Max Reger. Mit dem enorm weich und nuancenreich spielenden Jörg Widmann schaffte das Quartett den Balance-Akt, Regers subtile, harmonisch fein verästelte Stimmen verblüffend transparent und plastisch werden zu lassen - ein Stück als kontrollierter Rausch zarter Klangfarben. Die Stärken eines Komponisten kann man gar nicht besser herausarbeiten.
Wie ein ausgiebiges Kabinettstück mit drei weiteren Gästen (Georg Klütsch, Fagott, Bruno Schneider, Horn, Wolfgang Güttler, Kontrabass) wirkte danach Beethovens frühes, glänzend musiziertes Es-Dur-Septett (op. 20). Ein langer Musikabend, aber die Masse hatte hohe Klasse.

Roland Spiegel, AZ 09.10.2003

 

 
 

russische Tränen beim Andante geweint
Das Berliner Vogler Quartett bot eine vorzügliche Darbietung im Bonner Beethoven-Haus

Leo Tolstoi sei beim Hören seines D-Dur-Streichquartetts in Tränen ausgebrochen, erinnerte sich Peter Tschaikowsky später. Ältere deutsche Kammermusik-Kompendien dagegen loben den bei seinem ersten Quartett 31 Jahre alten Komponisten für die beachtliche Beherrschung der Form, vermissen aber inhaltliche Tiefe. Dass muss kein Widerspruch sein: Leo Tolstoi weinte beim Andante. Auch das Vogler Quartett hat sich jüngst beim. städtischen Konzert im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses auf den langsamen Satz aus Tschaikowskys op.11 ohne Wenn und Aber eingelassen, sentimental und elegant zugleich.
Auch das widerspricht sich nicht, sondern legitimierte sich gegenseitig. Es klang richtig gut. Die Delikatesse im Spiel der vier Streicher war überwältigend. Im Andante hat das zweite Thema etwas von der Stimmung in Puccinis "Crisantemi", das erste ist so russisch, dass man es überall her zu kennen meint. Die Quellenlage Volkslied ist durch die vielen Bearbeitungen fast ein bisschen undeutliech geworden.
Tim Vogler, Namensgeber an der ersten Geige, setzte sich jedenfalls fabelhaft in Szene neben Frank Reinecke, Stefan Fehlandt und Stephan Forck. überhaupt tritt das Berliner Quartett, hervorgegangen aus der "Hanns Eisler"-Hochschule und international, seit es vor fast 20 Jahren in Evian gewann, ein bisschen als Primarius-Quartett auf. Sein Tschaikowsky-Spiel hatte Emotionalität und Interesse in den Ecksätzen.
Die Vier zeigten sich noch mit Mendelssohns e-Moll-Quartett op. 44, 2. Sie sind alle gut, aber die erste Geige spielt Vogler. Dass man auch dem 20. Jahrhundert aufgeschlossen ist, bezeugte ein anderes ,erstes" Quartett, nämlich das des Tschechen Erwin Schulhoff von 1925, der 1942 im deutschen Internierungslager umkam. Das intelligent geschriebene, unorthodoxe Stück fand im Vogler Quartett engagierte Sachwalter. Es verdient sie wie auch Schulhoff, der erst in den letzten Jahrzehnten wieder entdeckt wurde. Er braucht noch eine Menge Wiedergutmachungen.

BONNER RUNDSCHAU, 13. Juni 2005

 

 

Die Abende des Vogler Quartettes zählen zu den kammermusikalisch ereignisreichsten und schönsten in Berlin.

Der Tagesspiegel 

 

Schmerzlich schön

Freiburg hat eine musikalische Sternstunde erlebt: Über das Albert-Kammermusikzyklus-Konzert des Vogler Quartetts im vollen Konzertsaal der Musikhochschule zu sprechen, heißt in Superlativen zu schwelgen.
Das Quartett hat seit seiner Gründung 1985 durch Aufsehen erregende Konzerte und bedeutende Beethoven-und Brahms-Einspielungen von sich reden gemacht.
In Fachkreisen raunte man bald, das sei eines der großen Quartette der Zukunft. Und in der Tat: In den letzten Jahren hat sich die Formation noch weiter gesteigert und hat nun Weltklasse-Niveau erreicht.
Schon der Beginn, Mozarts frühes Streichquartett C-Dur KV 157: welch schier gespenstische Präsenz vom ersten Ton an, welch eine Selbstverständlichkeit des Zusammenspiels, welch eine Klangkultur. Nicht zuletzt: welch vergeistigtes Feuer. Hinzu treten erlesene Balance, Konturenschärfe, Farbenpracht, ungemein sublime Differenzierungskunst. Das Andante geriet zu einem Paradestück an Kantabilität und lyrischer Expressivität, zugleich freilich zu einem Mirakel an verrätselter Zartheit.
Das Vogler Quartett hat seinen ganz eigenen Stil gefunden. Unvergesslich die gestalterische Phantasie, mit der es im Variationenfinale in Mozarts d-moll
KV 421, jenem Abgesang von Tragik, Schönheit, Größe in "Giovanni"-und "Requiem"-Nähe, musikalische Prozesse vorantreibt, unvergesslich die feinen Pointen, die jeder der vier Musiker zuweilen zu setzen pflegt. Alle vier haben Starqualitäten, bestechen durch unerhört kultivierten Ton, und Tim Voglers durchdringend helle, schmerzlich schöne Erste Geige erinnert gar leise an Arthur Grumiaux‘ Geigenkunst.
Ervin Schulhooffs 1. Streichquartett von 1924: Wie da das Presto, ein düsteres Nachtstück, vorüberjagt, im Allegretto die Bratsche-ein schier Schubertscher, Mahlerscher Kunstgriff-im Weltenchaos Walzerfetzen aufflackern läßt, im sphärisch entrückten "Andante molto sostenuto" die Musik im schwerelosen Schweben verharrt und schließlich im Schweigen mündet-das alles kann man nicht zwingender, bewegender musizieren.

Badische Zeitung Freiburg, Leander Hotaki, 6.10.99

 

Gedankliche Klarheit und sensible Emotionalität

Daß das Konzert des Vogler Quartetts ...ein besonderes werden würde, das besagten schon die Erinnerungen an seinen letztjährigen Auftritt in Riehen. Daß diese noch einmal übertroffen wurden, erhob den Dienstagabend im Burghof in den Rang eines außergewöhnlichen Musikerlebnisses. Eine derartig superlativverdächtige Äußerung muß begründet werden, hier der Versuch: Die "Alban Bergs" waren hier und spielten abgeklärt und weise, wie es ihrem Alter eventuell gemäß ist. Die "Voglers" sind jung und verbinden die Frische ihres beneidenswerten Jungseins zum einen mit makelloser spieltechnischer Präzision und zum anderen mit einer hellwachen Sensibilität für die Musik. Anders gesagt: Sie spielten Mozart (G-Dur, KV 387), indem sie auf ihn hörten. Ihr traumwandlerisch sicheres Zusammenspiel erlaubt es ihnen, den Klang homogen so aufzufächern, daß die Schönheit der Einzelstimmen hörbar wird ohne die des Gesamtklanges zu beschädigen. Mozarts Musik als gewichtige Schwerelosigkeit, brillant gespielt im Finalsatz und traumhaft schön, fern jeder billigen Süße, im Andante.

Badische Zeitung , Nikolaus Cybinski


Es ist eigentlich müßig, über Technik zu reden. Aber wenn es einem Ensemble gelingt, die Musik so an den Zuhörer zu bringen, daß dieser nicht mehr quälend zwischen Komposition und Interpretation entscheiden muß, sondern einfach sagen kann."Das ist es", dann stimmt einfach auch die Technik.

Leverkusener Anzeiger


Vollendetes Quartettspiel

Das Vogler Quartett demonstrierte all das, was Quartettspiel so eindrucksvoll macht: genaues Studium der Werke, peinliche Beachtung des Rhythmus und der Phrasierung, exaktes Zusammenspiel und Aufeinandereingehen in der Deklamation, geistige Übereinstimmung in der Interpretation. Bis in die kleinsten Nuancen war das Spiel der vier jungen Musiker dynamisch ausgefeilt und agogisch abgestimmt im Zurücknehmen des Tempos oder einer fast unmerklichen Beschleunigung. Tiefe Empfindung in den Kantilenen und kräftiges Zupacken dort, wo es erforderlich war, gepaart mit einer Stärke des Ausdrucks und musikantischem Engagement machte das Spiel des Vogler Quartettes vollkommen.

Salzgitter-Zeitung, 5.10.99

 

Das (Ost)-Berliner Vogler Quartett, das jetzt im Herkulessaal gastierte, ist längst dabei, einen internationalen Spitzenplatz zu erobern. Technisch agieren die vier souverän. Ihr Klang ist kraftvoll, warm und in der Farbgestaltung sehr flexibel. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Musiker um den Primarius Tim Vogler aufeinander eingehen, und ihre Ausdruckssicherheit sprechen für einen außerordentlichen Reifeprozeß, den das Quartett seit seiner Gründung... durchlaufen hat.

Süddeutsche Zeitung


..eines gewichtigen und künstlerisch ertragreichen Abends, der eine in allen Facetten durchleuchtete und sehr transparente Interpretation des 1934 komponierten 5. Streichquartetts von Bela Bartok sowie eine virtuos zugespitzte Wiedergabe des Quartetts C-Dur op.59 Nr.3 von Beethoven bescherte. Gerade das Final-Fugato mit seiner Perpetuum-mobile-Spieltechnik wurde von den Berlinern mit der Präzision eines Uhrwerks ausgeführt.

 

Frankfurter Allgemeine Zeitung


Die vier Herren spielten ein anderes Programm als vorgesehen. Aber wer wie die Voglers spielt, von dem hört man sich gern selbst noch das Telefonbuch an,

Die Welt

 

Morton Feldmanns 1983 komponiertes 2. Streichquartett ist mit einer Dauer von vier bis fünf Stunden eines der längsten Kammermusikwerke überhaupt.

Dem Vogler Quartett gelang im Hamburger Bahnhof, einer Ausstellungshalle in Berlin, eine exemplarische Aufführung. Der Klang des Quartetts wirkte so sehr homogen, daß man durchaus den Eindruck gewinnen konnte, es würde nur ein einzelner Musiker auf nur einem Instrument spielen. Dazu gesellte sich eine Art Schwerelosigkeit in der Zeitartikulation, die ganz spannend sowohl einer Hektik als auch der Langeweile entriet.

Martin Hufner, Neue Musikzeitung


Höhepunkte gab es viele, unvergeßlich wird sicher der lange Morton-Feldmann-Abend bleiben.

Berliner Morgenpost


Vogler Quartett mit Rainer Kußmaul

Die Aufführung der Mozart-Quintette gelang außergewöhnlich gut, ohne daß diese Güte sich auf einen besonderen Interpretationsansatz zurückführen ließe. Es zeichnete sie lediglich das aus, was gutes Musizieren stets auszeichnet und ja auch wahrlich nicht leicht herzustellen ist:ein sicherer und flexibler Rhytmus, fließender Zusammenhang ohne Vernachlässigung der Details, klangliche Vielfalt und sprechende Artikulation. Extreme Tempi oder Lautstärken muß das Vogler Quatett nicht bemühen, sowohl Mozarts erstes als auch sein vorletztes Streichquintett sind ohne interpretatorischen Druck am schönsten.